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Kriegsjahre 1939-1945

Mit elementarer Wucht zogen die Stürme des Krieges weiter durch das Land, ja durch die ganze Welt. Dass Meer wütete und wallte und an seinen Ungestümen fielen Berge ein. Es war nicht vorauszusehen, wo und wann sich seine Wellen legen würden. So wurden auch wir mitten in dieses Wüten und Toben hinein- gestellt. Scheinbar untätig – und doch innerlich auf  Plan, die Waffen unserer Ritterschaft, die nicht fleischlich sind, sondern mächtig vor Gott, zu zerstören Befestigungen – anzuziehen und zu gebrauchen. Wohl bekannt ist jedem Kind Gottes, dass das Gericht am Hause Gottes beginnt und dass uns auch der Krieg Röm. 8,28 „dass denen die Gott lieben alle Dinge zum Guten dienen“ – einen großen Dienst in der Heiligung getan hat.
 

Örtliches - Fortgang der Gemeinschaftsarbeit

Am Anfang des Krieges hat wohl niemand glauben wollen, dass wir alle langsam aber sicher von den Pfeilen des Bösewichts getroffen werden sollten. Die schrecklichen großen Vögel des Feindes überflogen je länger denn mehr unsere Lande, bis sie auch eines Tages über unsere Gegend ihr Feuer und ihren Hagel fallen ließen. Gerade inmitten einer Bibelwoche von Missionar Franke, am 26. auf den 27. Februar 1943 nachts kurz vor elf ertönte der Sirenenruf. Welch eine Überraschung, welch ein Schrecken, als auch über unser Kraftshof der Feuerregen ausgeschüttet wurde. An mehr als 20 Stellen brannte es, darunter auch in manchen Anwesen unserer Geschwister. Selbst die alte Wehrkirche ging in Flammen auf. Unser Gemeinschaftshaus „Lobetal“ wurde bewahrt. Durch Luftdruck der Bomben wurde das Dach abgedeckt,  Fenster eingedrückt  und Innenwände  zerbrachen. Ein Wunder Gottes ist es, dass niemand ums Leben kam, auch niemand verletzt wurde. Noch zwei mal fielen in unserem Ort Bomben, die aber das Gemeinschaftshaus nicht treffen durften.
Wir durften uns in diesen Notzeiten viel mit dem 46. Psalm stärken und trösten lassen. Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Diese Heimsuchungen, sowie auch die vielen, vielen Alarme bei Tag und Nacht, waren auch Wecker unserer Herzen und Sinne. Sie mussten auch mithelfen zur Bereitschaft, dem Herrn jeden Augenblick begegnen zu können. Es sei auch noch festgehalten, dass jene schreckliche Nacht mit Einzelnen mehr reden konnte, als viele Bibelkurse zuvor.

Unsere Gemeinschaftsarbeit konnte durch den ganzen Krieg hindurch im Wesentlichen getan und aufrecht erhalten werden. Ja es war möglich, dass noch Waldfeste und Bibelkurse gehalten werden konnten. Trotz mancher bangen Ahnung durften die Türen nicht verschlossen werden. Im Jahre 1942 hatten wir im ersten Vierteljahr 2 mal Einquartierung. Einige mal waren auch die Säle mit Bergungsgut von Luftangriffen gefüllt. Von 1941 bis März 1945 wurde der angestellte Bruder Weißer in der Orthop. Versorg. Stelle Nürnberg in Arbeit gestellt. Er wurde darum K.K. gestellt und konnte notdürftig seinen Dienst noch tun.
 
Unsern Fortgang.
Mit dem 8. Mai 1945 hat der Krieg sein Ende genommen. Am 1. April, am Ostersonntag früh um 6 Uhr musste Bruder Weißer noch nach Deckendorf zur Wehrmacht einrücken. Nach 7 Wochen ist er wohlbehalten aus der Gefangenschaft, aus dem Lager Regensburg, heimgekehrt. Die Arbeit im Reiche Gottes kann nun wieder uneingeschränkt und unverdrossen wieder getan werden. Nach alter Tradition wagten wir es, ein Waldfest abzuhalten. Am 5. August 1945 schenkte uns der Herr alles was dazu nötig war: Das rechte Wetter, den rechten Prediger und auch viele Menschenkinder, die gerne hörten, was „ER“ ihnen zu sagen hatte. Herr Kirchenrat Galstner aus Nürnberg knüpfte seine Ansprache an das schöne Gitarrenlied „Hab Sonne im Herzen“ an und zeigte uns dazu, dass die Sonne Jesu alle Finsternis vertreibt. Pfarrer Freymann machte dazu eine würdige Fortsetzung. Ein sinnvolles Gedicht, es geht vorüber, verband Altes mit Neuem. Ein Verslein sei noch kurz festgehalten:
Es ist hier nichts so schwer als dass es nicht tragbar wär
Nichts kann hier bleiben
Das was vergänglich ist, darf dir zu keiner Zeit die Kraft (berauben?) rauben
Blick glaubend aufwärts still – nimm an was Jesus will
Es geht vorüber – es geht vorüber. 
 
Sehr schön gestaltete sich auch der Abend, die Fahrt mit Pferdekraft auf Gummirädern nach Nürnberg. Wie aus alter Zeit klang noch manches Lied zum Preise des Herrn gen Himmel. Liebliche Zusammenkünfte waren uns noch das Erntedankfest, der erste Advent und besonders Weihnachten. Wie konnten wir doch – klein und groß – nach den Unruhen der Kriegsjahre im tiefen Herzensfrieden den Geburtstag des Heilandes der Welt begehen. ER hat jedermann, der verlangend kam, Segen gespendet. Dazu dürften die frischen Gedichte und Gespräche der Kinder und sonderlich auch die Aufführung: „Das weiße Kleid“ mithelfen.
Unser vom Herrn geschenktes „Lobetal“ hat wieder vielen Stillen im Lande eine Kraftquelle sein dürfen. Er wird zu den bereits gesetzten Erbauungssteinen – weitere Marksteine am Wege schenken.